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DEMNÄCHST

AKTUELLES

ZUR BISHERIGEN ENTWICKLUNG DER TRIBÜNE LINZ

Auszug aus der Pressemappe

 

Die TRIBÜNE LINZ – Theater am Südbahnhofmarkt wurde am 2. Oktober 2013 von Cornelia Metschitzer, Rudi Müllehner und Bernhard Mayer gegründet und konnte sich innerhalb kürzester Zeit in der (ober)österreichischen Theaterlandschaft etablieren.

 

Vorgeschichte

Bereits vor der Tribüne Linz waren wir fast neun Jahre lang mit unserer freien Theatergruppe bühne04 – Theater für Toleranz unterwegs. Wir konnten damit zwischen 2004 und 2013 an verschiedenen Orten 28 Theaterproduktionen mit fast 500 Vorstellungen und rund 38000 Zuschauer*innen realisieren. Wir durften uns also damals schon über sehr viel Stammpublikum freuen, das uns überall hin folgte: von der Kellerbühne im Gasthaus Alte Welt ins Kulturzentrum Hof, wo wir uns ganze fünf Jahre niederlassen konnten, dann zu den verschiedenen Sommertheater-Spielorten (Meggenhofen, Wilhering, Oberneukirchen, Gallneukirchen) sowie zuletzt in das Volkshaus Kleinmünchen. Auch hatten wir begonnen, Klassenzimmertheater in den Schulen zu spielen und konnten uns damit den Grundstein für unsere Arbeit für junges Publikum legen sowie in der Folge sehr viel Schülerstammpublikum in die Eisenhandstraße mitnehmen. 

 

Wir mussten alles neu heranschaffen und einrichten

Mit dieser erfolgreichen Vorgeschichte im Rücken zogen wir also im Sommer 2013 in die völlig leeren Räumlichkeiten in der Linzer Eisenhandstraße ein, wo zuvor das Eisenhandkino und das Eisenhandtheater, die Studiobühne des Linzer Landestheaters, logierten. Wir mussten uns nicht neu erfinden, denn das inhaltliche und künstlerische Profil der Tribüne Linz war bewährt und so zogen wir mit unserem Stammpublikum „im Schlepptau“ und auch sonst mit viel immateriellem Gut selbstbewusst in die leeren Räumlichkeiten der Eisenhandstraße ein. Dort bauten wir aus eigener Kraft und mit Hilfe von Investförderungen aller drei Gebietskörperschaften im Sommer 2013 unser eigenes Theater hinein. Wir mussten die ganze Zuschauerinfrastruktur, die Bühne, die Veranstaltungstechnik, einfach alles, heranschaffen und eine der prägendsten Szenen, die uns in Erinnerung bleibt, ist das viele Kabelziehen, denn auch, was man später nicht mehr sehen konnte, weil es in den Kabeltassen, unter Treppen, in Mauern verschwand, ist für einen funktionierenden Theaterbetrieb essentiell.

 

Eröffnung am 2. Oktober 2013

Obwohl wir im Sommer noch Sommertheater am Warschenhofergut spielten, konnten wir zeitgleich proben und in die leeren Räume ein Theater hineinbauen. Dies natürlich unter strenger Einhaltung des Veranstaltungssicherheitsgesetzes. Wir haben dabei sehr viel gelernt und waren sehr stolz, als wir pünktlich am 2. Oktober 2013 unser Theater mit dem zeitgenössischen Stück EINIGE NACHRICHTEN AN DAS ALL von Wolfram Lotz eröffnen konnten.

 

2021: Modernisierung unserer Ausstattung & Infrastruktur

Viele können sich sicher noch an die unbequeme knallrote „Fußballstadion-Tribüne“ erinnern, die wir aber 2021 mit Hilfe der öffentlichen Hand gegen eine bequeme Theatertribüne eintauschen konnten. Auch fand damals, mitten in der Corona-Zeit, die Modernisierung und Digitalisierung unserer technischen Einrichtung statt und wir konnten unsere Second-Hand-Pulte und -Geräte durch eine zeitgemäße und digitalisierte Technik ersetzen. Auch bei den Scheinwerfern konnten wir die alten Stromfresser gegen sparsame LED-Beleuchtung tauschen. Das ging nur, weil die Kulturpolitik des Bundes und des Landes Fördertöpfe zur Verfügung stellte, damit die arg gebeutelte Veranstaltungskultur einen Neustart hinlegen konnte. Damit waren wir erstmals auch perfekt für eine Multibühne ausgestattet und wir konnten verstärkt Gastspiele auch aus anderen Live-Künsten, etwa aus der Musik, aufnehmen.

 

Drei-Schienen-Struktur & Repertoire-Spielpläne

Mit unserer Drei-Schienen-Struktur – eigene Abendschiene, Schulschiene und Gastspielschiene – konnten wir von Anfang an viel Publikum in unser Theater locken. Auch unser Repertoire-Spielbetrieb, bei dem sich die Stücke ständig abwechseln, hat sich von Beginn an sehr förderlich auf die Publikumszahlen ausgewirkt.

 

Bewusstseinswandel

Unsere hohe Anzahl an Eigenproduktionen hat uns jedoch über alle Kraftgrenzen gebracht, da die Jahresförderungen lange nicht in dem Maße mitwuchsen, wie es nötig gewesen wäre, um genügend Achtsamkeit leben zu können. Aber unser Enthusiasmus und das rege Publikumsinteresse haben uns die Grenzen leider lange nicht sehen lassen. Hier wurden wir erst von der Pandemie stark abgebremst, kamen in der Ruhe zur Besinnung und haben einen Bewusstseinswandel vollzogen, der unserem Theater und dem ganzen Team sehr gut tut. Heute bauen wir auf ein kleineres, aber nach Fair-Pay-Richtlinien entlohntes Team von zurzeit zehn Köpfen und auf eine Premierenzahl, die unseren personellen Ressourcen entspricht.

 

Statistiken

Unsere Jahresförderungen entwickelten sich von 2014 bis 2025 wie folgt:

Stadt Linz: Von 50.000 Euro (2014) auf 115.000 Euro (2025)

Land OÖ: Von 29.000 Euro (2014) auf 130.650 Euro (2025)

Bund: Von 47.000 Euro (2014) auf 70.000 Euro (2025)

 

Zusätzlich bekamen wir über die Jahre insgesamt 295.000 Euro an Investitions- und Sonderförderungen von Bund, Land und Stadt. Herzlichen Dank an alle Fördergeber*innen für die kontinuierliche finanzielle Unterstützung unserer Arbeit!

 

Unser Jahresbudget verdoppelte sich von 226.050 Euro (2014) auf 494.260 Euro (2024). Darin enthalten sind alle unsere Einnahmen: öffentliche Förderungen, Kooperationsbeiträge, Kartenverkäufe, Einnahmenbeteiligungen (Gastspiele).

 

Von Oktober 2013 bis Dezember 2025 konnten wir in unserem Theater in der Linzer Eisenhandstraße bei fast 1800 Vorstellungen rund 150.000 Theatergäste empfangen und einen Zuschauer*innenschnitt von über 83 pro Vorstellung erreichen. Wir produzierten in diesem Zeitraum 57 eigene Theaterpremieren, zumeist Klassiker, aber auch viele Jugendstücke. Mit diesem Mix kamen wir in diesen zwölf Jahren auf eine für ein freies Theater außergewöhnlich hohe Schüler*innenzahl von über 66.000. Nach Corona sind die Theaterbesuche von Schulklassen zwar zurückgegangen, aber das ist nur ein Grund mehr, diese Schiene weiterhin anzubieten und anzukurbeln. Denn für junge Menschen in unserer digitalen Welt sind Theaterbesuche in jeder Hinsicht unglaublich wertvoll.

 

Glückliche Entwicklung hin zur Multibühne

Als Glücksfall erwiesen hat sich auch die zunehmende Öffnung unseres Hauses für Gastspieler*innen. Seit ein paar Jahren haben wir uns verstärkt mit der freien Szene vernetzt und auch viele weitere Live-Künste, wie etwa Konzerte und Spontanformate auf unsere Bühne geholt. Seit geraumer Zeit können wir auch die Festivalkultur der Region aktiv mitgestalten und sind dabei auch neue Kooperationen eingegangen.

 

Vielfalt braucht Know-how

Unsere Gesamtstatistik sagt, dass fast ein Drittel aller Vorstellungstermine in der Tribüne Linz von unseren Gastspielpartner*innen gespielt wurde, darunter auch viele Theaterpremieren mit Spielserien, aber auch unzählige Einzelvorstellungen aus allen Sparten der Livekultur (Musik, Tanz, Literatur, Performance, Kleinkunst, Crossovers). Dabei haben wir vor allem in den letzten Jahren gelernt, dass es nicht nur die Liebe zur Kunst, sondern auch sonst noch viel Know-how braucht, um auch den anderen Live-Künstler*innen eine perfekte Bühne zu bieten.

 

Wir investierten, wie bereits erwähnt, dank öffentlicher Förderungen viel in neue Veranstaltungstechnik und Zuschauerinfrastruktur, mieteten schon davor (2017) im gleichen Haus ein eigenes Kartenbüro, digitalisierten gleichzeitig unseren Kartenverkauf und schulten unser Team, um den vielen Ansprüchen einer Multibühne gerecht zu werden. Derart unterschiedliche Gäste auf der Bühne zu haben bedeutet nämlich weit mehr, als ihnen nur den Raum zur Verfügung zu stellen. Ein ganzes 10-köpfiges Team ist damit beschäftigt, dass auch Gastveranstaltungen in unserem Haus programmiert, beworben, verkauft, technisch betreut und in einem professionellen und angenehmen Ambiente vor das Publikum kommen können. Dies zusätzlich zu unserem eigenen künstlerischen Schaffen und dem eigenen intensiven Spielbetrieb, der nicht nur an Abenden, sondern auch an Vormittagen für Schüler*innen sattfindet.

 

Wir lieben es mittlerweile nicht nur, selbst Theater zu machen, sondern auch das breite Kunst- und Kulturprogramm der Stadt und des Landes auf so vielfältige Weise mitgestalten zu können. Es ist daher nicht verwunderlich, dass wir von unserer Drei-Schienen-Struktur (eigene Abendschiene, Schulschiene, Gastspielschiene) nicht abrücken werden. Im Grunde kann man diese als die „Zauberformel“ unseres Erfolges ansehen, und was gibt es Schöneres für ein Veranstaltungshaus, als wenn sich dort Künstler*innen aus allen Richtungen mit einem Publikum aus allen Richtungen in entspannter Atmosphäre treffen können, um gemeinsam wundervolle und spannende Abende zu verbringen. Dass unser Theater so pulsiert und unser vielfältiges Publikum alle drei Monate mit unserem Spielplan eine Wundertüte öffnen kann, freut uns so sehr, dass wir weiterhin auf diese „Zauberformel“ vertrauen können.

 

Theater ist unser Leben

Aber auch das beständige eigene Theaterschaffen, das Auswählen, Bearbeiten, Inszenieren und Spielen von Theaterstoffen ist uns seit nunmehr über zwanzig Jahren so ins Fleisch und Blut übergegangen, dass wir weiterhin einen inspirierenden Ort brauchen, an dem Produktivität und Experimentierfreude möglich sind. Theater ist einfach unser Leben und alles zusammen, das Produzieren, Inszenieren, Spielen, die Programmierung und Betreuung der Gastspiele, das Diskutieren mit den Schüler*innen auf Augenhöhe braucht weiterhin Räumlichkeiten, über die wir autonom verfügen können. Denn nur in solchen konnten wir zusammen mit unserem Team die Tribüne Linz zu dem machen, was sie heute ist und nur so können wir sie auch weiterentwickeln und weiterhin in unserer Zeit pulsieren lassen.

 

Unsere Geschichte wird gut ausgehen

Wir sind sehr guter Dinge, dass alles gut ausgehen wird, auch wenn wir derzeit mit der überraschenden Kündigung eine Phase der Unsicherheit erleben. Die bisherige Entwicklung der Tribüne Linz ist aber so rasant und beglückend, dass es nur ein Bild für die Zukunft geben kann: dass es uns weiterhin gibt! Aber nicht in einer „Schmalspurvariante“, sondern vollumfänglich, denn all das, was wir uns über 20 Jahre lang aufgebaut haben, verschwindet nicht einfach so. Wir werden jedenfalls alles daransetzen und sind sehr guter Dinge, dass unsere Geschichte gut ausgeht.

 

Cornelia Metschitzer & Rudi Müllehner

Theaterleitung

Stand: 06.01.2026

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