ZUM INHALT
Die fast 90-jährige Literaturprofessorin Anette erzählt uns aus ihrem Leben, von dem sie gerade Abschied nimmt. Ihrer Vergesslichkeit trotzend analysiert sie mit Humor und Scharfsinn, wie sie es schaffte, sie selbst zu werden.
Die in Ottensheim lebende Autorin Corinna Antelmann hat mit ALLE ZEIT, GESTUNDET Ein Brief an Ingeborg Bachmann einen vielschichtigen Text geschrieben, der sich ausgezeichnet dafür eignet, die große österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann an ihrem 100. Geburtstag zu würdigen. Sie lässt Anette an Ingeborgs Grab nach Klagenfurt reisen und dabei einen Brief verfassen, in dem sie ihr langes Leben mit seinen Brüchen und Neuanfängen Revue passieren lässt. Aber Anette weiß auch, dass ihr der Tod auf den Fersen ist, und so beginnt sie, bewusst und sehr versöhnlich, sich zugleich auf diese allerletzte Reise vorzubereiten und einen lyrischen Abschied aus dem Leben zu suchen.
Regisseurin Cornelia Metschitzer hat den Uraufführungstext in eine Rahmenhandlung gehüllt, in der Anettes Kinder diesen Brief an Ingeborg Bachmann später im Nachlass ihrer Mutter finden. Das Abschiednehmen der 60-jährigen Kinder und das Abschiednehmen der Mutter verschwimmen zu poetischen Bildern, in denen sich die drei noch einmal sehr nahekommen und sich die Literatur in ihrer ganzen, auch tröstenden Kraft zeigen kann.
Eine sensible Auseinandersetzung mit Leben und Werk der verehrten Dichterin aus Klagenfurt und gleichzeitig ein intensiver feministischer Abend zwischen Theater, Film und Hörspiel, der sich vielen universellen Frauenthemen widmet: dem Spagat zwischen Familie und Beruf, dem Streben nach Unabhängigkeit, dem Mut, sich der Liebe ohne Knautschzone hinzugeben, dem Schmerz über das Zerbrechen von Beziehungen, dem Altern in Würde, dem Loslassen sowie der Suche nach Transzendenz.
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Die Autorin über ihren Text